Caddy (Mai 2004)

Konzertmarathon III

22.05.03, Bruce Springsteen (Gelsenkirchen, Parkstadion oder auch Arena auf Schalke)
Heute werde ich im Studio von meinem Bruder besucht. Das riecht nach Arbeit. Isses aber nich, denn in meiner unermesslichen Güte habe ich dem alten Herrn zu Weihnachten Karten für den Boss geschenkt. Der Arbeitsman hat es in 20 Jahren Bruce Springsteen – Fantum nicht einmal geschafft, sich den Boss live reinzufahrn. Gesehen haben muss man ihn mal, wenn man mitreden will, also kann ich heute wieder Häkchen machen.
Wir schmeissen uns stilecht in Holzfällerhemden und Jeans, ich bekomme sogar von Studiochef Dede Mohrmann ein Paar Gehhülsen (Cowboystiefel) geliehen, mit denen ich mich erst recht sexy fühle. Wir fangen sofort an, uns zu besaufen und kommen pünktlich auf Schalke an. Mein Gott, was sind unsere Sitzplätze beschissen. Gaaanz oben und fast auf gleicher Höhe wie die Bühne. Bild/Tonverschiebung garantiert. Und leise isses… Dafür hat man eine tolle Sicht über die ganze Halle. Halle ist gut, denn eigentlich isses ja das gute alte Parkstadion mit dem unsäglichen neuen Namen "Arenaaufschalke" . Weil schlechtes Wetter ist, wurde das Stadiondach geschlossen. Ich sitze also in einer 60.000 Mann fassenden Halle. Impressive. Die Vorraussetzungen sind zwar mehr als ungünstig, aber man kricht doch Gänsehaut, als es dann losgeht. Okay, alle Wünsche können heute gar nicht erfüllt werden, dafür hat der Boss zu viele Platten, aber es waren folgende Hits vertreten:

  • Dancing in the Dark
  • Thunder Road
  • No surrender
  • Glory Days

Definitiv gefehlt haben "The River” und "Born in the USA”, was er sich aber aus verständlichen Gründen gespart hat… Nebenbei spielt er fast die gesamte neue Platte "The Rising", wobei man sich natürlich jede Menge Feuerwehrleute vorstellen muss, die betend das World Trade Center wieder aufbauen.
Ansonsten tatsächlich scheiß Sound, Max Weinberg kann ich kaum sehen (tatsächliche Bild/Tonverzögerungen) und der Boss reitet viel zu sehr auf seinem "Righteous Music/In God we trust" – Pathos rum. Die Show wird zwar 3 Stunden lang, was aber an den bis an die Schmerzgrenze rausgezögerten Enden liegt, während denen Brucie auf dem Flügel kniet, eine Hand in die Luft reisst und ein bischen wie James Brown in Blues Brothers den Soulpfarrer mimt…na ja. Aber so isser halt, der Bruce und wegen was anderem bin ich ja auch nich hier. Mein Bruder is übrigens den Tränen nahe…
Lange her, deshalb is das erst mal alles an Erinnerung. Habe mir von meinen Bandkollegen sagen lassen, dass der Alte und ich, wieder zurück im Studio, nachts hickehackevoll in Unterhosen (ich noch mit Gehhülsen) und Sonnenbrillen am Küchentisch saßen während auf dem Ghettoblaster Bruce Springsteen dudelte und wir bei zwei drei Bier noch ein wenig mitlallten…

25.05.03 Turbonegro, Turbo AC's, Amulet (Berlin, Columbiahalle)
Ich hätte mir die Haare raufen können: Die Apocalypse Dudes in Kölle, Pflicht! Und was mache ich? Wie immer in der völlig falschen Ecke von Deutschland mit den the Wohlstandskindern rocken. Aber so schnell gebe ich mich nicht geschlagen. Freitags sind die Neger in Köln, Samstags sonst wo und Sonntags in Berlin! Das war meine Chance. Also fix den günstigsten Flug von Köln nach Berlin gebucht, in der Hoffnung sonntags zeitig aus Kaiserslautern am Kölner Flughafen anzukommen und Mieschka Mayonaise (special agent Berlin task force) den Auftrag zum Kartenkauf und der Errichtung einer Bettstatt für mich zu geben.
Der Sonntag fing nach wenig Schlaf nach einem knappen Frühstück mit dem Konterbier im Bus an. Während der dreieinhalbstündigen Rückfahrt schaffe ich es tatsächlich, mich so richtig schön abzuschiessen, so dass mich meine Band mit zweifelhaften Einschätzungen, ob ich es bis ins Flugzeug schaffe entlässt.
Aufgrund meiner vertrauenserweckenden Erscheinung (Pilotenbrille, Dedes Cowboystiefel und meterlanger Fahne) wird auch dieses Problem gemeistert und zum ersten mal sitze ich richtig schön voll im Fluchzeuch. Ankunft in Berlin um 18.30h, und es erwarten mich schon der gute Mieschka sowie meine Homies Schubbatt, der Kollege und Frank Kremer himself, die einen Tag vorher mit dem Auto da hochgekarrt sind (zu dieser Zeit besaß der Schubattstefan noch 'nen Lappen). Bier jekooft, uppjemaat und ab zur Columbiahalle. Zu meiner Überraschung stellt sich raus, dass ganz im Gegensatz zu Köln (Division of Laura Lee hatten wegen Krankheit wohl absagen müssen und es wurde ohne Vorband gespielt) hier gleich zwei Supports zu bewundern waren, und das waren sogar

  1. Die Turbo AC's und
  2. Amulet

Das is ja schon fast den Flugpreis wert. Die Turbos haben wir aufgrund von noch nicht leeren Bieren verpasst, aber dafür haben mir Amulet dann so richtig schön den Arsch weggerockt. Hab mir neulich mal deren beiden Platten angehört und muss sagen, dass die Live tausendmal mehr können. So ein tightes Gerocke bei erstklassigem Sound muss man erst mal abliefern. Der Sänger is ein Energiebündel hoch zehn in ‚nem Gemisch aus SS- und Zirkusdirektoruniform, mit rotem Axl Rose-Kopftuch. Hat was.
Dann das gespannte Warten auf die Deathpunkgötter aus Oslo. Ich hab ja schon viele Konzerte gesehen, aber die Atmosphäre bei TRBNGR - Gigs ist immer was besonderes, was durch die Präsenz der Turbojugenden aus dem ganzen Land und der bedingungslosen Verehrung, die der Band nicht nur von besagten Fanclubsektionen entgegengebracht wird, noch verstärkt wird.
Ich schaffe es zum Intro vom Bierstand aus nicht mehr rechtzeitig in die ersten Reihe und stehe mitten in der Menge, als mir folgendes auffält und ich es kaum glauben kann:
Es riecht nach Möse.
Das kann doch nich wahr sein! Werden hier alle Frauen im Raum tatsächlich nur durch die freudige Erwartung des Death Punk Armageddon feucht? Das will ich auch können! Jeder Gedanke ist wie weggeblasen, als es mit "Wipe it 'til it bleeds" losgeht. Die nachfolgenden 1 ½ Stunden sind ein Feuerwerk der Emotionen. Es wird der perfekte Mix aus "Scandinavian Leather", "Apocalypse Dudes" und den "Ass Cobra"- Pflichthits runtergespielt, alle Hits! Kein Fehltritt! Alle professionell im Denim Outfit, Euroboy mit SS-Mütze, Pal Pot Pamparius im Stahlhelm, Happy Tom inzwischen mit langem, blondem Seemannshaar, Rune Rebellion als Redneckfarmer und Hank in seiner altbekannten Kreuzung aus Alice Cooper und Frank Zappa, mit Umhang, Zeremonienstab und Armbrust, konsequent! Bei "Drenched in blood" gibt's ne Blutdusche aus'm Schampus-Cooler und bei "Erection" sogar mal wieder die Ass Rocket, zu Ehren des Turbojugend-Präsidenten, der heute Geburtstag hat. Zwischendrin dürfen natürlich die psychotischen Ansagen nicht fehlen, die sich, wie es sich für Berlin gebührt, natürlich oft um den Führer und den gegenüberliegenden Flughafen Tempelhof drehen. Ich sehe Frank in der ersten Reihe voller Begeisterung mitgehen, als wäre er ein kleines Mädchen bei den Backstreet Boys.
Hinterher bin ich klatschnass und mein Handy hat einen Wasserschaden. Gut gemacht, Herr Cardeneo.
Wir treffen uns mit Schrottgrenze-Timo und seiner Schwester im Wild at Heart und trinken wie üblich den Vorrat an Waldfruchtmargharitas aus. Im Morgengrauen geht's dann zum Ernst-Thälmann-Denkmal, das Frank schon mal als Schlafplatz benutzt hat. Wir ziehen uns aus und rennen drumherum. Äusserst sinnlos, vor allem, weil ich auf den scheiss Marmorstufen ausrutsche und mir gehörig das Knie prelle. Ins Bett geht's bei Mieschka gegen 9h morgens, was dazu führt, dass ich grob gesagt meinen Rückflug verpenne. Na geil: Mit Riesenkater zu den anderen ins Auto gestiegen und 7 Stunden nach Kölle juckeln.
Hat sich aber mal wieder, wie jede unserer Reisen nach Berlin, unglaublich gelohnt, und TURBOfuckingNEGRO sind die abfeierungswürdigste Band der Welt. Ab jetz ein Naturgesetz!
Es soll ja Leute geben, die diese Gottband nur von meinen T-Shirts oder dem Poster über dem Bett kennen, aber das halte ich für ein Gerücht und leugne einfach deren Existenz. Fuck the world, I hate the kids!

29.05.03 Shandon, Skin of Tears, 5 days off (Köln, Underground)
Endlich mal wieder an der zeit, die Vita Family zu besuchen. Mit Shandon sind wir ein halbes Jahr zu vor 'ne Weile unterwegs gewesen und das is schon mal die Mühe wert. Lang her und selfsverständlisch war isch betrunken…also ma überlegen… Five days off hab ich glaub ich verpasst, und an Skin of Tears kann ich mich auch nich mehr so richtig erinnern. Was mir auffiel, war, dass es gar nicht mal so gut besucht, war, wie es bei dem Package eigentlich hätte sein sollen. Shandon kommen ja nun nich umsonst den weiten Weg von Mailand nach Kölle gejuckelt. Naja, lass es 100 Männlein und Weibelein gewesen sein, die da ein bisschen steif im Underground rumstanden…mir hat's jedenfalls gefallen. Aber es is ja auch wirklich nicht schwer, Shandon gut zu finden. Ersmal haben sie alle Schottenröcke an (als Zitronenschüttler!) und spielen verdammt gut gemachten Ska-Punk, mal auf Englisch, mal auf Italienisch. Das südländische Äquivalent zu Rantanplan. Hinterher war ich wirklich betrunken, wollte ins Cave. Ob ich's da hin geschafft hab, weiß ich nich mehr, meine aber mich zu erinnern, dass ich am Ende mit Synthex bei mir Espresso getrunken habe…

09.06.03 The more I see, End of April (Köln, Underground)
Überraschung! Der Scheißbayer (und Bayern München Fan!) Jörgi, gleichzeitig auch noch unser Mann in München is anner Strippe und lädt mich ins Underground ein. Da is er nämlich mit 'ner britischen Band namens The More I See auf 'nem Showcase und darf den Merch machen. Tach sagen lohnt immer.
Gastfreundlich und Solidarität heuchelnd begrüsse ich Jörgi mit 'nem Weizen inner Hand und wir beklatschen den letzten Song von End of April, netter Emocore mit LMH-Thekenkraftbeteiligung. Erstens in Form von Allan auf der Bühne, und zweitens wegen der süssen schwarzhaarigen Thekenfrau, die immer das Wild at Heart berlin T-Shirt an hat und heute neben Jörgi hinterm Merch steht. Das Underground is total leer, wie sich das für ein "Showcase" gehört (also nur mit geladenen Gästen die alle mehr oder minder wichtige Positionen im Biz bekleiden) und The More I See, ballern los, als stünden sie im Stadion. Assrein gemachter Punk-HC englischer Machart. Knallt. Und Sound is für Undergroundverhältnisse sehr gut. Alles sehr professionell. Für Punk selbstverständlich zu professionell, denn wer im Angesicht von 40 gelversauten Plattenheinis den Schneid hat, konsequent Rebelhead-Ansagen abzufeuern, der weiss ganz genau, was er da tut.
Oh, mir fällt grad auf, dass ich an diesem Tag ja Geburtstag habe und mich noch gar nicht abgefeiert habe. HAPPY BIRTHDAY TO ME! Das sag ich aber keinem und ignoriere diesen Umstand völlig. Feiern kann ich, wenn ich dreißig werde.
Nach der Band muss ich mich von Jörgi fragen lassen, ob ich nicht einen guten Urologen kennen würde. Der Bassist hätte sich wohl 'nen Tripper eingefangen. Und das in der heutigen Zeit. Selbst schuld. Fast schon RRR – verdächtig. So ein Verhalten ist natürlich hoch zu loben und ich hätte dem armen Mann gerne geholfen, weiss leider keinen Rat. Florian empfiehlt ihm einfach den Facharzt, bei dem seine Mutter als Sprechstundenhilfe arbeitet, und so können wir sicher sein, alle Details in den nächsten Tagen genauestens auf den Tisch gelegt zu bekommen. Harrharr.

18.06.03, Eastern Standard Time (Troisdorf, JKC CULT)
Das is ja gar nich so weit weg von zu Haus und ich bin anscheinend der einzige meiner Homies, der Eastern Standard Time noch nich gesehen hat. Raki und Honolulu Silver waren vor 5 Jahren mal durch Zufall bei der selben Band im selben Laden und kamen so was von begeistert zurück, so dass für mich, der damals noch überhaupt nix mit traditionellem und jazzig angehauchtem Soulblues – SKA anfangen konnte, erst mal ein paar Monate Folter anstanden…
Aber irgendwas mussten sie haben, jeder fand sie toll. War's der relaxte Schlagzeuger? War's der blinde Pianist? Warn's die geilen Bläser? Über die Jahre hab ich die alte Platte aber schätzen gelernt, und für einen lauen Sommerabend war das genau das Richtige. Ich entscheide mich also, nüchtern zu bleiben und bringe meinen Kadettilac mit.
Ob die Band, die ich dort sehe, genau so geil ist, wie die von vor 5 Jahren, weiss ich nicht, denn Eastern Standard Time scheinen ihr Line Up so oft zu wechseln wie andere Leute Unterwäsche. Was hab wir denn da…einen tatsächlich relaxten Schlagzeuger, einen exquisiten Bläsersatz, einen sehenden Pianisten, Soulneger am Bass, das Gitarrenphantom und ein äusserst sympathischer junger Mann mit langen schwarzen Rastas am Mic. Alles sehr schön, extrem luftig und super gespielt. Und danach ist mir was unglaubliches passiert: Ich habe mich nüchtern in mein Auto gesetzt, bin nach hause gefahren und hab mich doch Tatsächlich ins bett gelegt. Mannmannmann… ich bin schon einer, was?

19.06.03, Sugarcult, Motion City Soundtrack (Köln, Prime Club)
An diesem Tag gehe ich mit unserer Bühnenfee Baron Porno von Schluck aus, um uns den Lollipop-Punk für kleine Mädchen, Schlagzeuger und Backliner anzutun. Es ist glaub ich ein Montag, und wenn mich nicht alles täuscht hat uns der GROSSGOTT Tower mal wieder Gästeliste besorgt. Der Pimmelclub ist mehr als halbLEER und alles ist sehr entspannt. Motion Cioty Soundtrack machen das gleiche EMO Gesülze wie alle anderen auch, nur der Keyboarder ist sehr konsequent. Er hat sein Schlüsselbrett auf ' nem lose im Boden verankerten Wackelständer aufgebaut und post unglaublich daran rum. Manchmal hat man das Gefühl, das Jüngelchen hängt waagerecht in der Luft, während er spielt. Das wars dann aber auch.
Sugarcult sind hübsche junge Kerls aus Kerlifornien, können gut spielen und sind glaub ich noch in anderen Bands vertreten, wie zum Beispiel den Ataries. Sound wie geleckt und für den Prime Club gar nich mal so laut, was'n los? Also nix gegen diese Band, aber das Konzert hätt ich mir auch im Fernsehn anschaun können, da ging ja gar nix. 17jährige, die zwar eng gedrängt vor der Bühne stehen, sich aber kein Stück bewegen und dazu noch Leute in ihren Reihen haben, die einen an sich schon armseligen Witz ("Wer diese Tube Senf auslutscht, bekommt von uns ein T-Shirt!") völlig abfeiern und so schon ein ziemliches Trauerspiel darstellen. Da kann die Band nur bedingt was für und für einen Montag war das schon völlig okay.

8.06.03, Hellacopters, Boy Sets Fire, Danko Jones, Readymade (Rheinkultur, Bonner Rheinaue)
Welch ein schöner Tag! Die Sonne knallt, die Rheinkultur is umsonst und man trifft jede Menge Bekannte! Manko: Tierischer Kater vom Vortag (Cocktailabsturz beim Unifest Paderborn), dem nur mit kräftigem Jekonteruppmaache beizukommen ist sowie 'ne anständige Beule im Mietbus, die uns irgendein Arschloch über Nacht reingefahren hat. Das soll aber erst mal egal sein, denn ich hab's auf die Bomben – Livebands Danko Jones (einmal als Vorband der Backyard Babies im Prime Club und einmal als Headliner im Gebäude 9 abgefeiert) und die määääächtigen Hellacopters abgesehen. Kaum angekommen, haben kettcar auch schon aufgehört und Tach sagen (haben uns ja letzte Woche noch gesehen) is aufgrund gut gemachter Abperrungen leider nich möglich. Raki und Silvio im Gepäck schaue ich mir Readymade an, die Live um einiges mehr als auf Platte rocken. Danach treffen wir auf das erste Nest von Freunden und die Rundentrinkerei geht los. Ich treffe doch tatsächlich Britta, 'ne Freundin, die ich seid Jahren nich mehr gesehen habe und wir machen uns im Trupp langsam auf zur Roggenrollbühne, auf der gleich Boy Sets Fire zu bewundern sein werden. Die armen Jungs: Die ersten 5 Songs (was also ungefähr die Hälfte des Sets ausmacht, fällt die gesamte Front (-Beschallung) aus und die Jungs sind nur über die Monitore zu hören, was sie entweder nicht merken oder gekonnt überspielen. Gehen auf jeden Fall ab wie sau und sollte man live gesehen haben. So langsam gerät mein Blut richtig in Wallung, und das nicht nur , weil hier jede Menge Einstellige rumrennen, sondern weil sich gleich die Dampframmenbluesgötter Dankomotherfuckingjones die Ehre geben werden. Und WAS für eine Ehre! Im Angesicht von Danko Jones gibt es kein Halten mehr! Diese Band macht dich einfach platt! Und das mit den immer gleichen 3 Akkorden , noch simpler gestrickt als AC/DC, aber mit viel mehr Druck. Und unglaublich Sexy. Also wenn ich eine Frau wäre, hätte diese Band auf mich den gleichen Effekt wie TRBNGR auf die versammelte Weiblichkeit in Berlin. Die Jungs verdienen wirklich ein so großes Publikum, welches sie auch verdientermaßen abfeiert.
Dann überrückt man die Zeit bis zur absoluten Sommerrock'n'rollliveorgasmusbandnummereins – den Hellacopters mit ein paar Ründchen Jägermeister und Grünkraut. Was dann kommt lässt sich am besten folgendermaßen beschreiben:

Einfach nur eine Supernova an Rock and Roll! Punkt.
Danach geht's mit Till, Phillip, Volker und anderen noch nach Bonn inne Stadt, vorm Kiosk ein paar Dosenbier trinken, worauf wir dann alle brav bei Till verkacken.
Was wir nicht wussten, ist, dass genau in diesem Augenblick sich zwei Kumpels von uns auf 'ner anderen Party dermaßen die Hucke vollgeschüttet haben, so dass sie es anschließend für eine sehr kluge Idee hielten, im Morgengrauen ins Auto zu steigen, noch über 30km nach Köln und dort fast angekommen gegen eine Ampel zu fahren. Resultat, Fahrer unverletzt und Lappen weg, Beifahrer Genickbruch. 1A! Klar dass echtes Gesocks sich von so 'nem Genickbruch (4. Halswirbel) nicht ins Bockshorn jagen lässt und 3 Wochen später wieder mit Halskrause rumlaufen kann und nach 6 Wochen damit sogar auf Wacken sitzt, während ich mit meiner Band spielen muss und Twisted Sister sowie Slayer verpasse. Frechheit.
Jedenfalls war die Sache für uns alle kein Spaß und möchte hier ausdrücklich betonen, dass besoffen Autofahren zwar unglaublich cool, aber gefährlicher als Russisch Roulette is. Egal, ob die Bullen oder der nächste Baum, eins von beiden erwischt dich irgendwann… Steelneck Nope kann nur weiter normal leben, saufen und bewerten, weil er die 0,2prozentige Überlebenschance auch geschmeidig genutzt hat. Ich weiß nicht, ob das noch so viele können. Der Fahrer trinkt bis heute keinen Schluck Alkohol. Freiwillig.

03.07. Chefdenker und Lili , Underground (Köln, Underground)
Schon wieder Lili, schon wieder Chefdenker. Ihr wisst, wie das ist. Solltet ihr zumindest. Immer gut. Ich wiederhol mich sonst.

07.07.03 Rollins Band (Köln, Live Music Hall)
Dä Rollins' Henry, nä, dä hätt jet ze sage, säät man. Is ja auch jeschichtlisch vorbelastet. Wenndens bei Black Flag jespillt häss, möötste eets jet ze sage han. Alsu jang isch misch dattens aanluhre.
De Rollinsband hätt hück füür, allein Black Flag Songs ze spille, vun denne isch kein einzijes kenn. Dat janze is ene Benefiz Konzecht für denne anjeblisch ze Unresch veruurteilde Jungens do drübbe in Amerrika, do hätt dä Henry uch jet zo ze sage jehat. Jenfallz ballert dat janz joot, wat de Spitzbobe do vun der Böön eraff loße. Ewwer all jet unspektakulär. Nur wießet Leesch. Ewwer dat is Hachtkohr, loss isch mer sage. Wennde Hachtkohr määs, möötste ja uch jet ze sage han.
Dä Brietbachs Ullrisch un dä Passadakis' Silvio wore uch dojewese.

15.07.03, Ska-P, Skunk Allstars, Lebens WeGe (Köln, Live Music Hall)
Endlich darf ich mich freuen, Ska-P live erleben zu dürfen. Durch die Erzählungen von Raki, Sil und Flohammed Köbap, die die Band schon letztes Jahr erleben durften ("Caddy, das is die albernste Band der Welt, du wirst sie lieben!") bin ich doch tatsächlich schon ganz schön heiss. Abgesehen davon befinden wir uns gerade in 'ner amtlichen Hitzewelle over Deutschland, weshalb die meisten Anwesenden in der Halle schon halb nackt sind.
Heute müssen wir (Raki, Sil und icke) auch unserem Lichtsklaven Andi dem seine band Lebens WeGe abfeiern, die mit ihrem Gemisch aus deutschem Hiphop, Reggae und Ska sehr gut hier hinpassen und dem zum grossen Teil schon anwesendem Publikum schoma gut einheizen. Als ob das bei den Temperaturen nötich wäre. Alle bandmitglieder sind ultranervös, da sie doch noch nie vor so einem großen Publikum spielen durften. Die Feuertaufe wird aber bestanden.
Danach kommen die völlig unspektakulären Skunk Allstars, die sich auch noch den für die Lebens WeGe von den Sailors und uns ausgeliehenen Soundmann Martin "Red Lights" Bachner unter den Nagel reissen. Bringt aber nix. Ich find die langweilig. Mittelmäßigster Skapunk.
Andi Tower Söntgerath is immer noch voll auf Adrenalin durch die eben gespielte Show und drückt uns Backstagepässe in die Hand, damit wir vorne im Graben fein halbnackt abzappeln können. Nebenbei lässt er noch 'ne extrem lässige Story raus: Ska-P waren wohl schon in der Nacht zuvor in Köln angekommen und in irgendeinem Hotel direkt aufm Hohenzollernring (ziemlich dicker, mit viel Verkehr belasteter Staßenabschnitt in Köln) abgestiegen. In Madrid scheint man kein Parkverbot zu kennen und so haben sie ihren Bus, ein doppelstöckiger Nightliner mit Anhänger wohlgemerkt, mitten aufm Ring vorm Hotel stehen gelassen. Morgens dann die grosse Überraschung. Wo is der Scheiss Bus? Die Band hätte eigentlich um 14h in der LMH aufschlagen sollen und Andi stand wohl schon der Angstschweiss auf der Stirn, als die alten Profis sich um 17h immer noch nicht gemeldet hatten. Da kam dann wohl der rettende Anruf ausm Hotel, dass da ein paar verstörte Spanier rumirren und irgendwas von "Bus weg" faseln. Andi also die Kreditkarte vom Chef gekrallt, zum Hotel und von dort aus alle Abschleppunternehmen abgeklappert. Fündig wurde man dann in Ossendorf (ganz schön weit draussen), und gekostet hat der Spaß 750 Euro. Ganz schön teuer, is dafür aber auch ein ganz schön großes Auto. So, liebe Kinder: Überlegt besser mal zweimal, bevor ihr euer 20m – Vehikel plus Anhänger irgendwo abstellt.
Und Ska-P waren selbstredend der Partyhammer schlechthin. Das Gemisch aus ständig wechselnden (zugegebenermaßen äußerst plakativen, ja schon fast parolenhaften) Kostümen, Ohrwurmcharakter-Skahits und einem buntgemsichten Publikum, wie es partyfreudiger nicht sein kann, ist ganz einfach Garant für einen rundum gelungenen Abend. Das ganze bei ca. 40 Grad vor der Bühne und ständigen Wasserduschen. Ich schätze, die kompletten 1.500 Leute konnten ihre Klamotten hinterher auswringen. Grandios!

16.07.03, Dirty Deeds '79, Rausch, Dumbell, D-Sailors, Sedlmeir (Köln, Stadtgarten, Sonic Ballroom Benefit Festival)
Der Sonic Ballroom, Kölns Punkrockkaschemme Nummer eins hat mächtig Ärger am Arsch wegen Rumasselei vor'm Laden. Das störe die Nachbarn. Außerdem gäbe es ja keine Konzession zum Konzerteveranstalten. Und deshalb soll er der Einfachheit halber einfach mal dicht gemacht werden. Da es innerhalb der Verfügungswillkür des zuständigen Ordnungsamtes liegt, ab wann denn jetzt eine Veranstaltung nicht mehr unter Kleinkunst läuft, sondern der Betreiber ab jetzt eine Konzession braucht, wurde die Diskussion ob dieses unmöchlichen Umstandes neu entfacht. Ein Querschnitt durch die komplette Subkultur Kölns beteiligte sich an Demos und die oben genannten Bands spielten für ohne Gage, der Eintritt ging an den Ballroom zur Deckung von Anwaltskosten und Mietschulden. Am nächsten Tag waren's noch mal so viele Bands, darunter Steakknife. Ich hab mir Tickets für beide Tage gekauft, hab den zweiten aber leider ver…äh…schlafen.
Angekommen am Stadtgarten ist die Verlockung, draussen inner Sonne auffer Wiese mit'm Bier inner Hand hunderttausend Bekannte vollzuquatschen erst mal größer, als reinzugehen und Kunst zu genießen. Soll sich aber zumindest für den Fall gelohnt haben: Eine irrwitzige Ein-Mann-Show. Der Typ war arbeitslos und hat mit seinem Bühnenschwachsinn beim Arbeitsamt 'ne Ich-AG angemeldet…
Rausch verpass' ich ich wie immer absichtlich und aus vollstem Herzen, für Dumbell tut's mir leid (die durfte ich nämlich später im Jahr nur für 15 Sekunden erleben, bevor ihnen der Strom abgedreht wurde) dafür bin ich aber anschliessend auch voll und hab mir den Bauch grillen lassen.
Bleiben also die D-Sailors und Dirty Deeds'79. Muss ich da schon wieder was zu sagen? Von den Sailors hör ich zum ersten mal wieder nen neuen, sehr geilen Song namensThousands of stories, das Publikum ist sehr reserviert. Wann kapieren das denn endlich alle, dass es für das Sailors – Genre in Deutschland einfach keine bessere Interpreten gibt!
Und Dirty Deeds'79 sind eine AC/DC Coverband. DIE AC/DC Coverband! Ich darf wegen Befangenheit nicht aussagen. Durften heute aber wegen Zeitmangel nur ne halbe Stunde spielen.

18.07.03, Lebens WeGe (OJO Open Air, Overath)
Lang nich mehr in der Heimat gewesen, aber in der Not des Sommerlochs frisst der Teufel Fliegen. Meines Wissens nach veranstaltet der Koschmann heute in Overath das erste OJO – Open Air. Bin ich mal gespannt wie er das macht. Angesagt sind die LebensWeGe (liest sich geschrieben wie der grausame Name einer christlichen Akkustikgitarrengruppe) und andere und das guck ich mir mal an.
Der relativ kleine Jugendzentrums-Hinterhof mit Begrasung ist mit 2-300 Mann doch sehr gut gefüllt und auf der Bühne zappeln sich FSK (alte Schul-Dunstkreis-Homies) durch ihr HipHop Set. Höhö, der Icki am Turntable, lustich. Macht er das gut? Keine Ahnung, da kennichmichnich aus. Der Butzko hat allerdings'n paa gute Punchlines drauf. Geht klar, digger.
So, jetzt die LWG und das klingt schon besser al inner Live Music Hall. Vor allem passt das Ambiente sehr gut: Sommerabend Open Air, die Alternativ-hippie-dorfjugend am Start und das kann man schon mal für zwar extrem harmlos, aber doch besser als fernsehen halten. Hinterher auffe OJO Tanzfläsch noch'n paa Biä wechgezogen sowie Tanzübungen veranstaltet. Harmoser Abend eben. Nix aufregendes. Nett.

01.08.03, Muff Potter (Köln, Poller Wiesen, Antirassistisches Grenzcamp)
Ein trauriger Tag in meinem Leben. Es ist Wacken-Zeit, und ich bin nicht da, weil ich selber spielen muss. 5 Tage Wacken gehen für ein WSK-Konzert (dass allerdings mal richtig geil war) drauf. Das passiert mir nicht noch einmal! Schlimmer hätt's aber auch nich kommen können: Dieses Jahr verpasse ich Twisted Fucking Sister und Slayer. Letztgenannte sollen ja zum Glück nich so die Krönung gewesen sein, und zu Twisted Sister werde ich gleich noch mehr vom Stapel lassen.
Die Zuhausegebliebenen wie z.B. Raki, Uli Sailor, der Hörr Passadakis und andere treffen sich bei Raki, um da ordentlich ein zu heben und sich anschliessend bei genehmer Promillezahl Richtung Poller Wiesen aufzumachen. Dort findet direkt am Rhein eine fürchterliche Hippie-Antifa-Veranstaltung namens "antirassistisches Grenzcamp" statt, was immer das auch auch sein mag. Das tolle daran ist, dass der ganze Spaß nix kostet und abends Muff Potter aufspielen sollen. Pünktlich zu denen kommen wir an. Ab in die erste Reihe und Zeuge einer der momentan besten deutschen Livebands geworden. Ui, warn die gut. Eine Stimme wie ein Fass Whiskey (hat mal jemand gesagt und ich finde, das passt herrlich) und guter Indiepunkrock, lässich dargeboten. Und das auch noch bei schönstem Wetter (warm, sternenklarer Himmel und die Bühne direkt am Rhein)…
Als die Potters ihren letzten Ton spielen und sich verabschieden, klingelt wie durch Zufall mein Handy, und als ich rangehe, werde ich am anderen Ende der Leitung von einem gewissen D. Snyder mit den Worten "Good evening Wacken! We are TWISTED (Publikum:"Fucking!") SISTER!” begrüsst. Ein besseres Timing gibt's einfach nicht. Ich nehm mir 3 Flaschen Bier, 'ne Schachtel Kippen, setze mich ans Ufer, baumel mit den Füssen im Wasser und lausche den reichlich verzerrten Klängen der Liveübertragung vom Wacken Open Air! Man stelle sich dieses Bild vor: Ein hoffnungslos betrunkener junger Mann in den besten Jahren sitzt rauchend und trinkend alleine am Rheinufer und brüllt dabei Twisted Sister -Texte in sein Mobiltelefon. Da der Herr Duschenwebmaster Holz bereits nach 2 Liedern wieder aufgelegt hat, liegt es nun an mir, zurückzurufen und das Konzert auf eigene Kosten zuende zu genießen. DAS wird teuer. Drauf geschissen. Wenigstens hab ich so das Konzert mitgekricht. Anschliessend wanke ich überglücklich den für viel kürzer als sich dann herausstellt gehaltenen Weg nach hause. Morgen verpass ich Slayer.

14.08.03, Stingers ATX, Wiehiessensenoch, Skunk (Köln, Bürgerhaus Stollwerck)
Es ist Donnerstag, es ist Sommer, es ist Köln, es ist Popkomm. Und das zum letzten mal. Ab nächstes Jahr in Berlin. Das Ringfest bleibt, ach wie toll. Schön, wenn man beim Major is. Ausnahmsweise mal. Wichtich-Pass, viel Durchkommen, Freibier! Raki, Türk und moi machen uns auf zur Messe, wo wir uns beim Motorstand schön ins Zelt flezen sowie uns an der Bar oder am Buffet bedienen dürfen. Sinnlos, absolut sinnlos. Wir schauen uns über den Zeitraum von 3-4 Stunden ein bisschen um und lassen uns anständig zulaufen. Nachmittags solls zur Universalparty auf einem Spielplatz irgendwo am Rhein gehen. Spielplatzpartys? Das hab ich mit 13 Jahren gemacht. Eigentlich cool. Naja, alles doch ein wenig professioneller. Freibier und –Wein, lecker Barbecue und mehr sowie wohlportinoerte Prominenz. Wir begegnen Kim Frank (langhaariger Affe), Nils Bokelberg (aufgequollene Fresse und langhaariger Affe), Sandra Nasic (sympathisch)und Wolfgang Stach (Guano Apes Produzent, Ex-Nachbar von Rakis Onkel oder so) sowie dem Opalsen (schuld an Dezibelkarate). Hier lernen wir bei einem Rucksack voll Bier auch unsere zukünftige halbe Miete Clemens kennen.
Nachdem Türk und ich die Beleuchtung ausgeschaltet haben, geht's weiter zum Bürgerhaus Stollwerck, wo ich ziemlich wenig von der dargebotenen Musik rezipiere. Bin diesen Sommer wohl doch auffällig daneben, oder es ist einfach alles zu lange her. Soviel sei gesagt:
Die Stíngers ATX, 'ne Ska-Band aus Texas, mit denen wir mal in Basel gespielt haben, kennen uns noch mit Namen. Für Amis is das eine herausragende Leistung und ich habe Tränen in den Augen. Leckens am Aasch.

15.08.03, Virginia Jetzt, Whyte Seeds, The Rasmus, (Köln, Prime Club)
Scheisse, schon wieder voll. Drecks-Popkomm. Virgina Jetzt und die Whyte Seeds verpasse ich sträflichst und gehe erst zur Umbaupause von Se Rasmus in den Pimmelclub. Ganz schöne Frechheit: Die Finnen nehmen sich ne glatte ¾ Stunde Zeit, um auf der Bühne und am Mischpult parat zu sein. Das hat sich allerdings gelohnt, denn der Sound ist exquisit. Und die Band super. Hier mal ein bisschen Bon Jovi, da ein Roxette-Teil und dort ne Europe-Bridge. Klasse Pophardrock in modern, und der Nummer Eins Hit "In the shadows" ist der schlechteste Song des Sets. Mit Raki stehe ich exklusive-Drinks-schlürfend auf Mischpulthöhe und bemerken neben uns (achtung: ) Jeanette Biedermann! Ich vergebe im Suff eine 6 , wofür ich mir noch wochenlang Schmähungen anhören muss und beinahe die Bewerterlizenz entzogen kriege. Jetzt aber schnell ins Bett, wir müssen ja morgen die Messe rocken und uns mit VIVA-Moderatorinnen anlegen…

16.08.03, Olli Schulz, Kettcar (Bürgerhaus Stollwerck)
Morgens bis mittags Job, danach Freizeit. Wie auf Klassenfahrt. Uuiui…tolle Bands, voller Caddy. Nach der Hälfte vom Gitarrenmann Olli Schulz (also so was wie der jugendliche Mike Krüger - ein Vergleich, den Olli Schulz wahrscheinlich vehement abstreiten wird), versagt mein Körper. Kettcar hab ich verpasst. Scheiss Popkomm. Morgen geht's auf Tour, na prima.

17.08.03, Sum 41, H-Blockx, Wonderwall!!! (Luxembourg, Rock am See)
Zur Abwechslung mal wieder ein Bericht von der Wohlstandsfront.
Verkatert aber gut gelaunt schippert der gute Highway Tiger mit Band und Crew ins schöne Zigarrettenparadies Luxemburg. Schönes Wetter, dazu noch am See. Und das Line Up erst: Exquisit! Wir, Extratours-Kollegen Suit Yourself, Sum 41, die H-Blockx und (Tusch: ) Wonderwall!!!! Was die da zu suchen ahaben, weiß eigentlich keiner und wir checken die Situation. Es gibt einen grosszügig und ausgestatteten Backstageraum, in dem sich erst mal alle über die Premiere-Berichterstattung des Bundesligaspieltages hermachen. Klare Schalkesympathien bei den Blockx und Wonderwall, was ihnen sofort Sympathien bei mir einbringt. Da die Mädels unglaublicherweise aus Porz kommen, habe natürlich vorher recherchiert und kenne mich schon durch die gehässigen Kommentare von Ex-Mitschülerinnen bestens in deren Beziehungs- und Bettgeschichten aus, harr.
Soundcheck mittags um 14h , 2 Stunden warten und ab auf die Bühne. Wir eröffnen bei Tageslicht (bei so einem Line Up super, man kann hinterher besoffen die anderen Bands abfeiern) und ziehen die spärlich erschienen Zuschauer schnell auf unsere Seite. Apropos spärlich: das Gelände hat mal locker für 4000 Leute Platz, erschienen sind aber wegen was weiss ich was nur ca. 600. Was den Veranstalter natürlich in arge Bedrängnis in Punkto Bandbezahlung bringt. Das weiß er natürlich und, gar nicht dumm, verpisst sich mit der Kasse vom Vorabend nach sonst wo, zum Beispiel Brasilien. Is ja auch nett dort, hätt ich auch gemacht. Für alle anderen spannt sich die Situation natürlich an. Durch heldenhalften Einsatz und Aufbringen eins kleinen Privatvermögens seitens der zweiten Veranstaltergruppe jedoch werden die Konzerte der anderen Bands aber gerettet, und wir können in Ruhe weiterfeiern. Backstage gibt's inzwischen Schampus, mit dem Andi und ich uns bewaffnen und erst mal ausm Graben raus Wonderwall abfeiern gehen. Grausam, grausam, grausam. Aber spassig. Das beste Kommentar dazu kommt anschließend von H-Blockx Henning. Als die Mädels zu dritt nebeneinander aufm Sofa hocken, steckt er den Kopf zwischen ihnen durch: "Wonderwall? Beide Daumen hoch!", worauf sich der komplette Raum wegschmeißt.
Die H-Blockx trumpfen mit fettem Sound und einer Hitauswahl auf, die sich gewaschen hat. Fast geschlossen stehen alle am Bühnenrand und ziehen sie sich rein. Dort lerne ich Marc von Suit Yourself kennen und wir berauschen uns von nun an zusammen. Wir kommen auf die Idee, uns ein Sofa ausm Backstage zur VIP-Lounge zu tragen, von wo aus man einen schönen Blick auf die Bühne hat, unterm Dach sitzt und den Frontsound geniessen darf, der heute wirklich alles kann! Auf die gleiche Weise geben wir uns auch Sum 41, die mal wieder recht wortkarg erscheinen, aber ihre gute Show durchrocken.
Danach gehen dann bei einem nach dem anderen die Lichter aus. Marc und ich ziehen uns aus, holen uns ein gekentertes Kanu ausm See, köpfen ein Fläschchen Wein und lassen uns mitten in der Nacht ein bisschen treiben. Warm is ja. Aaahhhhhhhhhhh… Das ganze endet noch beim Workout-Bier auf'm Hotelzimmer (Bruno hat im Regen am See gepennt und wird am nächsten Tag erkältet sein) und am nächsten Tag finde ich eine Suit Yourself-CD vor der Zimmertür. Supersüß. Dafür stelle ich fest, dass ich meinen Schlüsselbund verloren habe. Aua.

23.09.03, Zeltingerband, D-Sailors und Gun Barrel (Köln, Live Music hall, Cologne Night of Music)
15 Euro aufn Tresen legen und dafür Zeltingerband, D – Sailors und Gun Barell abfeiern dürfen, danach in' Puff, weil die Band, die dort spielt auch im Eintrittspreis enthalten ist und anschliessend zur grossen Abschlussgala inne Kölnarena. Grandios!
Soweit der Plan, aber es kommt ja immer ein bisschen anders…
Das ganze nennt sich dann ‚Cologne Night of Music': Viele mässig bekannte Möchtegerngrössen (The Wohlstandskinder waren NICHT dabei) in vielen Locations, alles zum Preis von einem Konzert. Das ganze wird noch am selben Abend im Express abgefeiert. Da konnten die doch noch gar nich wissen, wie grossartig z.B. Klaus Doldinger war. Das is der Typ, der die Tatortmelodie komponiert hat. Mit Abstand der beste von dem Haufen Scheisse, der sich da auf der Kölnarenabühne das Mikro in die Hand gegeben hat, aber immer von vorne beginnen:
19.00h,, Live Music Hall. Caddy muss seine Beziehungen spielen lassen, um die scharfe Knarre, die Nathalie immer noch von Volkers Mottoparty im Rucksack hatte, reinzuschmuggeln. Die ersten zwei Biere taten richtig weh, dann meldete sich aber auch schon wieder fröhlich der Restalkohol, der dann beim "Kölsche Junge" – Intro schon mächtig die Lampen glühen liess. Und zack – den Opener in den Sand gesetzt. Denn anstelle des Licks von ‚Sommer, Sonne, Herzinfarkt', konnte Alex Parche seinem Doppel – Kitty Hawk nur ein heiseres Brummen entlocken. UPS! Unprofessionelle Scheisse! Anfänger! Sieht kacke, aus, wenn ein 50jähriger peinlich berührt 5 Minuten an seinem Amp rumfummeln muss, damit er überhaupt anspringt. Dann aber los und es war göttlich wie immer. Gekürztes Set, darum nur die Knaller – Rocker. "Knochen", "Entzoch", "Nie Diät", "Asi mit Niwoh", "Müngersdorfer Stadion", "Schlampe"… So was find ich super! Hans – Jürgen Zeltinger: Der Wolfgang Wendland des Kölschrocks. Liebt man oder hasst man. Dazwischen geht nich. Ich liebe ihn. Deswegen hab ich mich auch nachm Konzert mit ihm fotografieren lassen. Das kann Clausi immerhin nicht von sich behaupten.

Schnell die Knarre aus der Sailors – Kühlbox geangelt und weiter. Zur Kölnarena Abschlussgala. Ich war ja erst einmal da, 1998 bei KISS. Die größte Halle Europas kommt mir ein bisschen klein vor, was daran liegt, dass der komplette Oberrang abgehangen ist. Egal, groß! Was gibt's hier? Freundliche Ordner, die einen bitten, doch jetzt endlich einen Sitz – oder Stehplatz (dann aber im Innenraum) einzunehmen. Jemanden, der sich als Vorsitzender der ersten karnevalistischen Turbojugend ausgibt. Die Cologne Hellboys, wenn ich mich recht entsinne… Netter Kerl, Namen vergessen. Da muss ich aber Mitglied werden. Hoffe, er meldet sich noch bei mir. Dann eine Big Band, die den ganzen Stars und Sternchen die Musik zu ihrem Lieblingshit liefern, den sie dann singen oder spielen dürfen. Derer haben wir Nektarios und Gracia (aus der Entfernung pauschal 'ne glatte 6, man konnte die Begabung nich erkennen, Ausstrahlung und Charakter allerdings erste Sahne) von DSDS, den Brings - Sänger, Gerd Köster (mit Walzing Mathilda, gar nich schlecht), Klaus Lage, den o.g. grossen Klaus Doldinger…
Ein paar von uns machen sich dann tatsächlich auf in Richtung Pascha. Ich bleibe, weil ich noch auf Bachner und Co. Warte. Dann die SMS von ihm: "Bin Backstage! Alles umsonst! Nur Einstellige!". Klingt gut. Nur wie kommt man ohne Artist und Crew – Pass ,die hier glücklicherweise wie auch inner Live Music Hall gleich aussehen, dahin?. Bachner: "Dreistigkeit siegt. Erwarte dich in 5 Minuten". Denn mal los. Zusammen mit Frank und "Seiner Ollen" schnappe ich mir die nächste uniformierte Studentin und erkläre mit dringlichem Ton, dass ich gefälligst und sofort zur Backstage – Area gebracht werden muss, weil ich da erwartet werde. Noch nich mal gelogen. Nach einigem Zögern zeigt sie auf die Tür hinter sich - wie praktisch - und lässt uns durch. Einmal drin fragt uns niemand mehr nach unserer Legitimation und wir haben freie Bahn. Bier her, Bier her! Und da isses auch. Dazu darf man tolle Sandwiches und Lachs – Wraps (die ich Nektarios fachmännisch empfehle) vertilgen und hinter dem gierigen Klaus Lage am Bierfass Schlange stehen. Gegen 5h morgens werden Frank, "seine Olle" und icke als die letzten Gäste rausgefegt. Vorher gönnen wir uns aber noch eine kleine Hallenbegehung bei Festbeleuchtung und 3 Promille, während arme Veranstaltungstechniker, Roadies und ähnliches niederes Gewürm die Bühne abriggen dürfen. Die hätten uns ohne Probleme da rausschmeißen können, haben sich aber kein Stück für uns interessiert. Wir hätten Zeitbomben anbringen können oder ähnliches. Wir haben aber unseren friedfertigen Tag und posen nur sinnlos vor den leeren Rängen rum.
Die ganze Sauferei fordert natürlich ihren Zoll. Am nächsten Morgen finde ich rätselhafter Weise die Gitarrennoten der Bigband in meinem Rucksack . "Die hab ich aber nicht eingepackt!", entfährt es mir. Bei der Sichtung der Fotos fällt allerdings auf, dass ich definitiv davon gewusst haben muss. Ich posiere nämlich damit vor dem Wegweiser zur Dopingkontrolle rum…
Ich habe mich straffällig gemacht. Das allerdings war mir der Spass wert.

21.11.03, Razzia, Chefdenker und Pascow (BüZe Ehrenfeld)
AZ Alarm! Und das am Jahresende… Ich Idiot! Ich habe die Möglichkeit, mir in Bonn ganz gediegen Handsome Hank and his lonesome Boys anzuschaun, könnte aber auch in Siegburg die Mädels von Lili bewerten und meinen Kumpel Mieschka aus Berlin treffen. Und was mach ich? Ich geh nach Köln-Ehrenfeld ins Bürgerzentrum und zieh mir die Releaseparty des Chefdenker – Albums "16 Ventile in Gold" rein, die von den Szeneveteranen Razzia geheadlined wird und mich deshalb um 20.00h vorm Eingang eine in diesem Ausmass lang nicht mehr erlebte Zusamm – Rottung der Kölner (und Trierer) Asi – und Siffpunkfraktion erwartet. So ca. 300 Exemplare (Hunde nicht mitgezählt).
Erster Schock des Abends: BASH! Haben ihre Teilnahme abgesagt, weil Mike überraschend auf Montage musste. Working Class!
Entschädigung: Jessi sitzt am Chef – Merchandise und stellt mir ihren Kaktus als nachtaktive Pflanze vor. Ohne Laufrad?
Wie es sich für Punks gehört. Hinkt der Zeitplan natürlich ohne Ende, interressiert aber keinen und PASCOW checken vor versammelter Mannschaft Sound. Gegen 21.00h legen die dann auch los und ich bin überrascht: Die Jungs geben ordentlich Kniegas und sind wunderbar angepisst. Geiler, tighter Strassenpowerpunk auf deutsch! Wenn man viel mit the Wohlstandskinder um die Ohren hat, klingt so was verdammt erfrischend. Ungefähr so, wie Muff Potter vor 3 jahren, nur aggressiver.
Alles was Rang und Namen hat, ist heute im Publikum vertreten und man kommt aus dem Händeschüttelnnawiegeht's kaum raus, sogar die Jungs vom Dicken Polizisten treff ich nach Jahren wieder. Wuschel hat ungefähr 20 Kilo abgenommen und gratuliert mir überraschenderweise zum Vivabravoschiessmichtoterfolg. Da sollte sich so manch einer mal ein Beispiel dran nehmen… Der Pegel steigt deutlich und langsam wird's Ernst, die Chefdenker bauen um! Und jetz mal ehrlich: Die Jungs sind innerhalb kurzer Zeit für Punkrockverhältnisse ne ganz grosse Nummer geworden. Diese Band, die vor einem Jahr unter den denkbar schlechtesten Vorraussetzungen begann, Musik zu machen, spielt heute Abend vor 300 Asseln, die Clausi, den Kollegen, Matze und Graf Disco bedingungslos abfeiern, was weder Pascow noch Razzia von sich behaupten können. Allen Chefs steht das Glück ins Gesicht geschrieben, nur Claus scheint mal wieder alles egal zu sein. Mit seiner Bananenschale auf der Mechanik (die er später Gönnerhaft einem Punk aus der ersten Reihe schenkt) sieht er doch relativ abwesend aus, vielleicht ist er aber auch einfach nur konzentriert. Was in jedem Fall was gebracht hat, denn spielerisch gibt's heute aber auch rein gar nix zu meckern und es werden so ziemlich alle Hits (und mehr) vom "16V" – Album in dem Mob geschleudert. Jeder im Raum grinst entweder über beide Ohren oder hat irgendwie das Wissen ins Gesicht geschrieben, hier etwas ganz besonderes zu erleben. Der Kollege hat in dem Kameramann in der ersten Reihe seinen besten Freund gefunden, vor allem, weil der weiss, wann die Soli kommen und den Kollegenfingern keinen Millimeter vom Nagel weicht. Zum Kölschpunksong werden 3 Teller FLÖNZ – Häppchen verteilt und beim "Punkrockkavalier" entfesselt sich ein Massenpogo. Alle Iros aufjestellt! 100 Punkte.
Genau jetzt hätte ich gehen sollen.
Aber nein, ich bin ja geschichtlich interressiert und deshalb guck ich mir auch noch Razzia an. Uiuiui, alte Herren vom Schlage Dödelhaie, nur nich so witzig. Musikalisch irgendwo zwischen EA80 und Daily Terror, na ja. Vom Veteranenbonus ist auch nicht viel zu merken. Ich versuch jetzt mal was positives anzumerken: Der Sänger sieht aus, wie der damalige CARCASS – Chef. Dreadlocks, ihr wisst schon. Schön, dass das auch Wuschel, Herrn Kremer und Nicola auffällt. Razzia spielen konsequent den ganzen Saal leer und haben nicht wirklich alle auf ihrer Seite, aber irgendwann sind die auch mal fertig. Ich bin voll, Geld leer. Lampe an, Geld aus. Alle anderen wollen noch in'n Sonic Ballroom oder "in' Stiefel, knutschen!" (Suzy, Silke, Nathalie) , nur (Achtung, Schrottgrenze – Melodie:) Caddy will heim. Dahin isser dann auch gegangen.

23.11.03, Bouncing Souls, Tsunami Bomb, Not Katies (Köln, Prime Club)
Mal wieder ein Abend, den ich nur aus Pflichtgründen warnehme. Eigentlich müde und lustlos schleppe ich mich zum Pimmelclub, denn der Herr Söntgerath (Extra für mich: Eintrittskarte Nr. 666) hat geladen! Also ein. Ich fang jetz auch an, ein' zu laden, und zwar Pernod. Flohammed Köbap zieht mit und gemeinsam finden wir die Not Katies scheisse. So langsam hab ich die Schnauze voll von mittelmäßig garagig lärmenden Boybands, die mit einer mittelmäßigen Sängerin auflaufen, damit wenigstens der Tittenbonus stimmt, und dann doch nur Ohrenschmerzen übrig bleiben. Tsunami Bomb light sozusagen, und auch die gehen mir heute auf die Eier. Weil das gleiche wie vorher in dienstälter. Also lauter, lärmiger, mehr Titten, leicht bessere stimme, aber immer noch keine guten Entertainer. Nun zum Grund, warum ich heut abend hier bin: The Bouncing Souls. Ich bin sehr gespannt, was mich live erwartet, denn die wirklichen HITS! sind zwischen den schnelleren, dahingeschluderten Punkrocknummern auf diversen Platten eher spärlich gesät. Und direkt einer der besten wird als Opener verbraten: Hopeless Romantic. Riskant. Dann müssen auch erst mal wieder 20 Minuten uninspiriertes Geballer folgen, bis die nächste Perle eingestreut wird. Vor der Bühne geht's amtlich ab, Menschen kopfüber, ein besoffener und unrasierter Frontmann , der allerdings in bisschen gelangweilt daherkommt. Es ist aber auch Sonntag. Da is schwer rocken. Das Muster HIT/20 Min. Geballer wird beibehalten, und hinterher hatten wir also "Hopeless Romantic", "Late Bloomer", "Night on Earth", "True Believers", den Fußball - Gröhler "Ole!" und das überragende "Gone", bei dem mir dann fast noch die Tränen kommen, als relevante Songs. Wenn man also bedingungslos alle Bands abfeiern konnte, hatte man sicher einen gelungenen Abend für's Eintrittsgeld, für diese paar Hits (die dann aber auch wirklich welche sind!) wär's mir aber doch zu teuer gewesen…

24.11.03, Iron Maiden, (Dortmund, Westfalenhalle)
Endlichendlichendlich! Ganz früher zu jung, danach nicht Fan genug, zu Blaze Bailey - Zeiten fand ich Blaze Bailey doof und war der Meinung, dass es seine Schuld war, dass eine Stadionband jetzt im E-Werk spielen musste und als Bruce Dickinson wieder dabei war, war's mir zu teuer. Dann kam "Brave New World" raus, ein Hammer – Comeback. Dann hab ich mir nächtelang die "Rock in Rio" – DVD reingepfiffen und mir in den Arsch gebissen, dass ich niemals zu Maiden gegangen bin…
Dann: Neues Album "Dance of Death" und die angeblich letzte Hallen-Headliner-Tour. Meine Chance! Und die hab ich genutzt, und wie! Türk, Raki und ich haben Maiden mit der Muttermilch aufgesogen und sind deshalb zusammen mit Netzmeister Matt auf dem Weg nach Dortmund. Ein grosses Dankeschön geht von hier an Daniel bei Motor für die Gästeliste!
Ich bin perfekt vorbereitet: Neues Album rauf und runter gehört (70 von 100%), die Live after Death steht auf dem nachttisch und ich habe 6 Kannen Bier für die Fahrt dabei, die auch pünktlich vor'm Eingang leer sind. Auf unserem Tribünenplätzchen (mit Geländer zum Fuss-beim-Luftgitarrespielen-draufstellen) angekommen, haben wir die Vorband (Funeral for a Friend – kennichnich) verpasst. Lauschen den Konservenklängen der selbst für meinen Geschmack ziemlich aus der Mode gekommenen Michael Schenker Group und schicken uns gegenseitig Bierholen. In meiner Kippenschachtel finde ich zwei Rauschgiftzigaretten, die mir irgendwer untergejubelt haben muss und eine muss auch sofort dran glauben. Licht aus, Poppedanz!

Es geht los mit dem Opener des neuen Albums, danach direkt drei alte Knüller: "Wrathchild", "The Trooper" und "Can I play with madness". Ich könnt schon nach hause gehen, so glücklich bin ich.
Die Bühne ist ein auf 2 Stockwerke verteiltes, komplettes altes Schloss, in dessen Mitte ständig die Backdrops wechseln, meistens mit den überarbeiteten Covers der jeweiligen Single, die gespielt wird. Immer mit Eddie als Protagonisten. Sound is (zumindest bei uns) 1A, es ist laut und vor allem schön.
Maiden schlachten sich durch ein Stimmungstief aus neueren Songs. Bei "Paschendale" verkleidet sich Bruce zwar als Florian Köbisch (mit Armeemantel und Schlachthelm), weshalb ich andauernd lachen muss, der Song is mir aber zu lang und operettenhaft. Da hätte man besser "The rime of the ancient mariner" spielen können… und "Journeyman" in die Zugabe zu packen fand ich auch überflüssig. Da hätte ruhich mal "2 minutes to midnight" kommen können. Auch zeitlich erfüllt dieses Konzert nicht meine Erwartungen: Im Rock Hard als 2 ½ Stundenshow angekündigt, kommen maiden heute abend auf genau 1¾ Stunden. Is zwar lang genug, mir kam aber zuviel neues.
Dieses Gemecker soll aber nicht meinen Haupteindruck trügen: Maiden sind live immer noch eine ABSOLUTE MACHT, was auch am unschlagbaren Bruce Dickinson als Frontmann liegt, den ich mit seiner Soloband ja schon 2002 auf Wacken abfeiern durfte.
Wer hat mir wieder diese Rauschgiftzigarette in den Mund gesteckt? Egal, mein heimlicher Höhepunkt des Konzertes naht: Fear of the dark! Es darf für einen echten Metalhead nur wenig schöneres geben, als einmal Teil des Chores aus 16.000 Kehlen zu sein, die die Gitarrenläufe mitsingen…hach!
Bis an die Schmerzgrenze geht Yannick Gers: Bedingt durch Adrian Smith's Rückkehr zur Band kann man die Gitarrenarbeit von zweien nun auf drei Mann verteilen. Da mag der eine oder andere Gitarrenehld schon mal in Handlungsverlegenheit geraten, nicht aber Herr Gers. Dieser Typ post mit und auf allem rum, was nur geht. Selbst, wenn er nicht spielt. Und wenn's nur sein Gitarrenkabel ist, mit dem er dann Lassospielchen betreibt. Unglaublich.
Was alles in der Zugabe kam, weiss ich nich, aber "Hallowed be thy name" und , klar: "The Iron Maiden" war dabei. Natürlich mit
a) Eddie als dreidimensionalem Sensemann, der bei "hallowed …" ein bisschen rumsenst
und
b) Eddie, der bei "Iron Maiden" tatsächlich die Bühne betritt und da ein bisschen rumtorkelt. Gehört zu jeder Maiden - Show.

Jetz aber fix nach hause, in 4 Wochen ist immerhin Weihnachten.

25.11.03, Backwood Creatures, the Interozitor, Hot Jr. (Köln, MTC)
Es hagelt diesen Monat aber auch Konzerte. Wer hat eigentlich diesen Scheissdreck mit der Sommerpause erfunden? Ich fahre so gut wie nie in Urlaub und muss mich dann den ganzen Sommer lang mit Saufen, Bewerten und Grillen beschäftigen. Und weil ja im Sommer angeblich niemand Konzerte sehen will, sondern immer nur nackte Frauen am Strand, spielen wir im Sommer auch wenig Konzerte. Ich will aber im Sommer auf Konzerte. Naja, ich sollte eigentlich froh sein, dass es hier zumindest im Frühling und Herbst ziemlich viel Konzerte hat und ich nicht z.B. in Örebrö, Schweden wohne…
Also Hopphopp, den Marcel (Bass Nope) mir seiner band Interozitor abfeiern gehen. Dass die Backwood Creatures mitspielen, is ein Bonus, den man gerne annimmt. Beim Hähnchenflaschefressen gegenüber treffe ich doch den aus alten Schulzeiten bekannten Tommo, der mir mitteilt, dass seine Band heute auch mitspielt (Hot Jr.) und ich kaufe ihm eine Karte ab. Hot Jr. haben gute Gitarren- und Songansätze, das Schlagzeug stolpert beim zu-schnell-rennen über seine eigenen Beine und der Bassist sollte noch was üben. Obwohl er mir bekannt vorkommt. Wie sich nach allen 3 Bands herausstellt, war es Seppl , damals bei Notausgang Schlagwerker und genau wie ich aus Langeweile zum Bassspielen gekommen…Mann hat der sich verändert. Und er hat damals unser "Wie ein Stern" Video geschnitten. Geil, wenn so was von 'nem Schlagzeuger übernommen wird, dann stimmt die Synchronisation wenigstens. Reschpekt, Aller!
The Interozitor machen guten Lärm, extremes "Suffering"- Action-Posing, mit unsäglichem Bassisten, 2 guten Gitarristen, die das Bandcredo schon besser rüberbringen. Der Schlachzeuger kommt aus der HC-Schule, was allerdings auch nicht so gut rollen will. Laut isses allemal und The Interozitor lassen einen amtlich erhobenen Stinkefinger in ihrem Windschatten zurück.
Die Backwood Creatures sind in Sachen Queerig/Ramonesig/Weaseligem Powerpop immer eine Bank und anscheinend schon mal bei Stefan Raab gewesen. Es treiben sich im MTC nämlich Frauen rum, die ohne Probleme als Pro7 Regieassistentinnen durchgehen könnten. Wenigstens sind die über 16. Dafür aber auch nur an den Backwood Creatures interressiert… Ich aber auch, und bekomme eine Stunde sehr fröhlichen Rock'n'Roll der alten Schule mit Gibson Gitarren und Fender Bass um die Ohren geknallt. Es juckt im Knie und macht einfach Spass. Sehr zu empfehlen. So einfach is das.

27.11.03, Helloween, Rage (Köln, Live Music Hall)
You know this is – Metaaaaaaaaaaaal! Die Messlatte liegt heute unglaublich hoch. Wacken 2001 bot mir ein Helloween Konzert aller erster Kajüte mit allen(!) Hits (darunter tatsächlich "I want out") und amtlicher Lautstärke,l wollen mal sehen, ob die alten Herren da heute rankommen. An der Vorgruppe haben sie jedenfalls nicht gespart: RAGE, Speedmetal- Urgestein und ebenfalls aus deutschen Landen, spielerisch vom feinsten, nur die Stimme inkl. Gesangsläufen missfällt mir, dafür kann man bei denen was lernen.
Als Flohammed Köbap und ich die Halle betreten ("Andi Söntgerath… Andi Söntgerath… Andi, Andi, Andi Söntgerath…!"), spielen RAGE schon, und zwar bei leisem, dafür sehr feinem Sound und leider komplett getriggertem Schlagzeug, was dem später folgenden 6 Minuten – Solo einen recht unnatürlichen Klang verleiht. Am Metal-Merch: Inspector Gadizzo , Merchgott der Sailors, heute von Andi hier eingesetzt. Diz hat zwar keine Ahnung von Metal, macht hier aber 'nen guten Job.
Zu fortgerückter Stunde betreten also nun Helloween die Bühne. Erstaunlich, wie viel Platz da auf einmal herrscht, wenn erst mal das riesen Rage-Drumset zur Seite geräumt ist.
Ich liebe Oldschoolmetalkonzerte. Allein das Publikum: 40-50jährige Typen mit Kutte, Plauze und Schnäuzer, Frauen, auf die die gleichen Attribute zutreffen sowie Ernie Ball und Peter Bursch-Fans. Geilgeilgeil! Die Band natürlich kein Stück besser: Von Minipli über Dauerwelle bis zur Langmatte alles vertreten. Rage waren da gesichtsbewusster: Bassist mit Glatze, Klampfer mit Eishockeytrikotund Heavymatte, Schlagzeuger mit Iro. Sehr gekonnt.
Egal, wie scheisse Helloween auch aussehen. Die 22 € Eintritt sind bestens angelegt. Was hier an Sound und Licht geboten wird, kann man getrost unter "Spitzenklasse" durchgehen lassen. Die Verrisse in RH und MH sind völlig ungerechtfertigt! 1 3/4 Stunden Headlinershow, plus excellente Vorband waren den Eintritt wert. Man sollte froh sein, dass Helloween ein deutscher Act ist. Hätte man es an diesem Abend mit Amis zu tun gehabt, wäre es noch mal ein Drittel teuerer gewesen, bei gleichem Sound und Licht. Wollen wir so was? Näh!
Die Setlist ist mir selbstverständlich ein bisschen zu newschool, was aber völlig durch die Darbietung folgender HITS! in den Schatten gestellt wird

"Eagle fly free”, "Dr. Stein”, "Future World” und die komplette 20 Minutenversion von "Keeper of the seven keys”.

Amtlich. Echte Helloween – Fans müssen einfach auf ihre Kosten gekommen sein! Ich verlasse die LMH an diesem Abend sehr zufrieden. Lang nich so 'ne geile und aufwändige Produktion gesehen (ich erinnere mich zwar an Soulfly, das hat aber 26 € gekostet) , Hut ab!

4.12.03, Dirty Deeds '79 (Köln, Prime Club)
Ich war voll wie immer (diesmal immer schön Pernod…), die Band aber irgendwie nich so geil wie sonst. Vielleicht lags daran, dass sie fast die komplette Back in Black runtergezockt haben, obwohl die Herren ja normalerweise ausschließlich Bon Scott-Songs in die Pfanne hauen. Ansonsten alles wie immer, Till hat Geburtstag und lässt AC/DC als Geburtstagskapelle aufspielen. Das hab ich auch schon gemacht, klasse Sache. Letztes Jahr is Tillemann nach'm Konzert in der Bahn eingepennt und bis Koblenz durchgefahren. Das war aber immer noch angenehmer, als dieses Jahr den letzten Zug nach Bonn zu verpassen und die Nacht mit seinem Bruder unter einer Kölner Eisenbahnbrücke zu verbringen. Im Dezember. Hmm, schön warm.

6. 12.03, Motörhead, Skew Siskin (Köln, Palladium)
Motörhead zum 5. mal. Das erste mal 1998 mit Türsteherbestechung für 10DM, das zweite mal 2001 auf Wacken (grandiösestens!!!), das dritte mal in Oberhausen, das vierte mal mit Anthrax in Köln, und jetz wieder in Köln, und zwar mit Skew Siskin. Aus Berlin, mit definitiv einstelligster Frontfrau mit geiler Rockröhre (hört sich nich so gut an, wie die Alte von Arch Enemy, sieht dafür aber besser aus) und beste Freunde von Lemmy! Mit Nina, besagter Frontfrau, hat Lemmy 2001 in Wacken schon "Born to raise hell" im Duett gekrächzt. Latte und Träne im Knopfloch!
Mal schaun was heute geht. Ich habe mir eine aKrte gekauft (25 €) , warte aber mit Krischan vor der Halle auf seinen Kumpel Boxie, aus dem cateringteam des Palladiums. Als dieser aufkreuzt, bietet er mir prompt ‚nen Platz auf der Gästeliste an. Ich verscheuer meine Karte für 15 € und habe somit 10€ für ein Motörheadkonzert bezahlt. Danke, Boxi! Beim Anstehen an der Gästelisteschlange verpassen wir Mustasch, die ich gerne gesehen hätte. Später hab ich mal deren Video abbekommen. Gar nicht mal so gut. Aber immer noch okay, als Motörhead Vorband jedoch chancenlos.
Anner Theke arbeitet heute wie zufällig Raki's Mitbewohnerin Becky, der wie zufällig auffällig viele Biere aus der Hand fallen und ich sie gerade noch auffange. Zum Dank darf ich sie dann behalten.
Zeit für Skew Siskin! Aah, geil, staubiger Whiskey Rock and Roll, und Nina kann alles! Ich bin sofort wuschig und vergfesse fast, den Rest der band zu bewerten. Was soll man sagen. Ein Rzept, dass immer passt, Double Bass - Schlagzeug, Bassist mit Tunderbird, Hut und Schlaghosen (breitbeinigst!), Gitarrist mit langen, fettigen haaren und Rockstrat. Das kann gar nicht nicht rocken. Vor allem mit so 'ner Sängerin! Da sollen Tsunami Bomb mal fein kacken gehen. Und zwar in Amerika! Der einzige Song, den ich von Skew Siskin kenne ist selbstverständlich "Life's a bitch" (geiles Blues – Gitarrenlick), aber das geht hier keinem anders. Diese Band muss ich vedammt noch mal in ‚nem kleinem Club als Headliner sehen. Und von Nina ein Küsschen auf die Wange…hach wär das schön!
So, jetz aber Schnauze halten, Bier holen und in Erfurcht erstarren. Jawohl! Hört ihr mich? Jeder, der keine Gänsehaut kriegt, wenn er den Namen "Lemmy Kilmister" hört, hat hier nix verloren, oder sich sofort schlau zu machen, um was es geht. Es geht um Mr. Rock an Roll. Das urviechigte Urgestein im Rockuniversum. Liebe WSK Fans, nehmt euch das zu Herzen: Ohne Elvis, AC/DC und IHN gäb's hier nix, aber auch gar nix zu lesen. Ich kann auf jeden, der mit Motörhead nix anzufangen weiß, locker verzichten. Die grösste Hitkonzentration findet ihr auf der "Bastards". Weiterhin zu empfehlen: "1916" und "Bomber". Ich lass euch mal grad 'nen Moment Zeit zum Plattenkaufen.

Und? Geil, oder? Ich weiß. Der Mann hat die 50 längst hinter sich gelassen und rockt immer noch alles in Grund und Boden. Seid 20 Jahren den gleichen Bass-Sound. Jede Platte ein Burner, jede Falte ein Manifest des Rock and Rolls. Nur hat dieses Fossil wie jedes sterbliche Wesen gute und schlechte Tage, und obwohl mir jedes Mal ehrfurchtsbedingt einer abgeht, muss ich zugeben, daß nicht jedes Motörheadkonzert der Oberknüller ist. Mal sehen: Die Herren Campbell, Dee und Kilmister betreten wie immer bei voller Hallenbeleuchtung die Bühne. Lemmy verkündet, dass ihm heute alles scheissegal und die Show sofort zu Ende sei, sollte hier noch ein einziger Bierbecher fliegen. Er könne so nicht Arbeiten. Dann erst wie immer "Guten Abend! We are Motörhead, and we're gonna kick your arse!” . Sauber, Reschpekt. Erstmal motzen, dann weiterschauen. Amtlich. Die Setlist lässt sich wie das nun folgende 80minütige Konzert am besten mit "Wie immer" beschreiben, nur dass heute an Show gespart wird: Sie haben den Bomber, ein Flugzeug, das komplett aus Lichtkannen besteht und beim entsprechenden Song bis auf 20cm über den Bandköpfen herabgelassen wird, zu hause gelassen. Den Song natürlich auch. Ansonsten kommt hier jeder, der Motörhead noch nie gesehen hat voll auf seine Kosten. Von "We are Motörhead" über "R.A.M.O.N.E.S." bis hin zu "Ace of Spades" wird alles gebracht. Insgesamt stellt sich aber bei mir so langsam ein gewisser Gewöhnungseffekt ein, der mich zu o.g. "Wie immer" hinreissen lässt. Es ist selbstverständlich schön laut, der ranzige 70er Sound wird auch immer der selbe bleiben, aber darum geht's hier nun mal. Ungeschöntes Götzengehuldige. Und beim nächsten mal werd ich auch wieder da sein.

20.12.03, Mokkafurchen und andere Jülicher Verrückte (Die Furche, Jülich)
Florian, du Drecksau. Unter dem Vorwand, wir seien auf der Mokkafurchenweihnachtsfeier eingeladen, steht er abends geschniegelt und gespornt im Anzug vor meiner Tür. Es gelte die Ansage, sich extrem "furchig" anzuziehen. Na gut, wenn Anzüge furchig sind, grab ich halt auch den meinen aus dem Schrank. Aber was sind die Mokkafurchen? Die MF sind ein Zusammenschluss von Leuten der D-Sailors, der Socks und regelmässigen Besuchern des Jülicher KuBa. Es werden ausschliesslich D-Punk Hits gecovert. Das kann ja heiter werden. Die Furche ist übrigens die alte, verlassene Kegelbahn, die hinter einer fast vergessenen Tür im Socks-Proberaum gefunden wurde. Cornel, Domi und Co. natürlich gar nicht faul und dumm und haben sich das Ding sofort zum Partykeller (mit Theke) umgebaut. Miete zahlen sie bis heute nicht. Geiles Teil.
Fast schon in Jülich angekommen, eröffnet mir Flo, wir seien gar nicht zum feiern, sondern zum arbeiten da und haben heute den Türsteher zu mimen. Na klasse. Dafür gibt es wohl Freibier, allerdings muss man tatsächlich Leute abkassieren, Stempel verteilen und andere vor der Tür stehen lassen, die man zwar sehr gut kennt, die aber wiederum nicht auf der Liste stehen. Oje. Da können einem ja nur Fehler unterlaufen.
Passiert auch. Dafür nehm ich meinen Job nicht so ernst und gehe lieber die Furchen abfeiern. Im Socks Proberaum ist übrigens der Wichteltisch sowie der Merchandisestand (wie immer von Diz betreut) aufgebaut, an dem es jede Menege Mokkafurchenkram unterschiedlichster Coleur (Logo "MF") für 2€ zu haben gibt. Jetz weiß ich auch, was "furchig" bedeutet, nämlich ziemlich genau das gegenteil von dem, wie Flo und ich hier aufgekreuzt sind. Naja, drauf geschissen und kräääftigst uppjemaat. Vor den grossartigen MF's muss übrigens so gut wie jede Jülicher band antreten und ein Weihnachtslied covern. Meine Favoriten: D-Sailors mit einer Coverversion von « Ihr Kinderlein kommet » , mit leicht verändertem Text, allerdings auf die Musik von "Kiss me deadley" von Randy gemünzt. Geilo. Nach erfolgreich zuende gebrachter Weihnachtsfeier (ich habe inzwischen eine D-Snider-Perücke auf) geht's in der Kneipe weieter. Nachdem die adann wierum zugemacht, haben wir immer noch nicht die Schnauze voll, und den MB, Flo, Cornel, Vanessa und mich zieht es in die "Pulvermühle", ein furchiges Tanzlokal mit "Steffi" – Charakter, also was gaaaanz übles, für besoffene Übergewichtige ab 40. Dort allerdings ist ein Steakhaus mit angeschlossen, in dem es bis morgens um 4.30h das beste Steak der Welt gibt. Den Eintrittspreis für die Disco kriegt man dann vom Steakpreis abgezogen. Da liegt er nun vor mir, der legendäre "Lappen", und Bachner wird schon mal gehässig, dass ich den niemals schaffe. 1000g feinstes Fleisch. Riesich. Das bisschen Salat fällt kaum auf. Dazu Rahm und Kräuterbutter. Bachner hat Schwierigkeieten fertig zu werden, Flo lässt die Hälfte stehen, und ich bin mal wieder der Arsch, der Bachners Salat (bis auf die Erbsen) und Flo's Hälfte mitvertilgen muss. Sieg auf der ganzen Linie. Ich habe übrigens immer noch meine Dee Snider Perücke an, mit der ich auch direkt den Bedienungs-Lookalike – Wettbewerb gewinne. Danach geht's noch ab zur 24stunden – Tanke "Immendorfer Strand", morgens um 6h. Die spinnen hier doch alle, bei den Temperaturen…aber gerade das macht die Jülich – Posse so liebenswert. Danach ab in Bachners Wohnung, die nur selten ein Mensch lebend betreten und wieder verlassen hat, weshalb ich mich auch über den Inhalt dieser vier Wände gewissenhaft ausschweige…

19.02.04, Les 6 Kölsch, 1 Cola, Driss un Flönz (Köln, Q-Hof)
Hier müsste so in etwa das gleiche stehen, wie im Bericht über ein Konzert am gleichen Tag (Weiberfastnacht) mit den gleichen Bands im letzten Jahr.

21.02.04, Die 18. grosse CCKG – Trunksitzung im KuBa zu Jülich
Siehe oben. Nur härter. 2 Stunden Schlaf, danach bestimmt nicht wieder nüchtern mit roten Augen, Zahnpasta anner Fresse und Narrenkappe aufm Kopp mit meinem unauffälligem Fahrzeug nach Köln gejuckelt. Alles gut gegangen. Wär ja auch komplett unwarscheinlich gewesen, an so einem Tag in so einem Aufzug von den Bullen angehalten zu werden. Jetzt heisst es erst mal kräftig Schlaf nachholen und das Karnevalsinferno in Overath zu verpassen. Fotos vom Vorabend gibt's irgendwo im Sailors – Forum zu sehen…

1.03.04, Blackmail, Angelika Express, Family Five, Die Sterne, Turbonegro (Köln, Live Music Hall)
Wer Turbonegro nicht mag, kann sich die nächsten Zeilen Abfeierei sparen. Die anderen Bands werden eh verrissen.
Ein gutes Konzert unter ungewöhnlichen Umständen und traurigem Anlass: Rocco Klein is duud. Übern Jordan. Löffel abgegeben. Einfach so. Sehr jung, Herzkasper. 2 Kinder, geil. Beschämend: Ich kannte ihn nur als den Heini von den VIVA – News, zu der Zeit als das für mich als Teenager noch aktuell war. Nachgehörcht, zugehört – der Mann scheint also Scheffredakteuse bei Viva plus oder zwei oder so gewesen zu sein, hat unter anderem "Turnonegro – The Movie" geschnitten und war Dauerbackstagegast bei allen gängigen Rockenrohlgrößen des Under- und Overgrounds. Respektable Leistung, möchte man meinen. Jetz isser nich mehr und die Kids müssen sehen, was geht, jedenfalls fließen die Gelder dieses Abends Roccos Blagen zu, was okay ist. 25 € pro Nase. Mal wieder verpasse ich absichtlich Blackmail, und wenn das noch so ignorant ist. Mann muss auch Bands nicht mögen dürfen. Vielleicht sind das ja furchtbar nette Kerle, aber ich kann mit der Mucke nich.
Dafür feier ich aber bewusst Angelika Express ab. Naja, ein bisschen jedenfalls. Am Vortag hab ich ihr "Angelika Express" gehört und es für gut befunden, jetz der Livetest. Also unter diesen Umständen (fixer Umbau, nur Linecheck und los – dafür aber mit Ansage von Peter Hein) war das mehr als gut. Mit gerissener Gitarrenseite weiterrocken und schön den Boden fegen. Ich möchte sagen das könnten Tocotronic mit Hummeln im Arsch und in charmant sein. Sympathisch. Den Schnäuzer vom Schlagzeuger kann man unter gewissen Vorraussetzungen auch mal abfeiern.
Wir begrüssen nun FAMILY FIVE, ex Mitglieder der Fehlfarben um deren Sänger Peter Hein nebst Gastmusikern. Die wollte ich jetzt richtig schlecht finden, was irgendwie nicht so richtig klappen sollte. Schräge Vögel für ihr Alter, schmissige Beats, geschmeidig sozusagen. Das beste 80er – Jahre Posing Accessoir des Herrn Hein war allerdings sein Ehering. Lässig.
Nun Opalsens Schützlinge, the Sterne. Die wiederum schaffe ich nicht so richtig gut zu finden, obwohl ich mir Mühe gebe. Haben ja bekannte Hits, gut, schön. Aber mal ehrlich: In einer Stunde stehen da gleich TURBONEGRO! Die Vorfreude darauf hab ich schon 2 ½ Bands lang zur Seite geschoben und langsam wird's aber auch Zeit. Ich habe nicht umsonst 25 Tacken auf'n Tresen gelegt, um hier weder überrascht noch begeistert zu werden. Vielleicht find ich das ja mal bei anderer Gelegenheit gut.
Alles klar: Bier an' Kragen, Beine breit, auf die Plätze, fertich, BANG! Just Flesh! Guuuuut gezielter Abstoss…klasse Vorlage …und wird wird Volley genommen mit "Back to Dungaree High" , gewidmet den Kindern. For education, you know? Ein Spruch, viel mit krankem Norwegerdeutsch, jagt den nächsten und es regnet HITS! HITS! HITS! Die einzige Band , bei der ich es schaffe die ganze Zeit vorne mit durchzupogen. Turbojugenden aus ganz Deutschland und beyond versammeln sich im Pit und es wird geschwitzt was das Zeug hält. Was geil, was geil, was geil. Turbonegro sind einfach eine unschlagbare Liveband. Pures Entertainment. Selbst die vom Rock'n'Roll nur passiv berührte Verena kürte TRBNGR zu ihrer ab sofortigen Lieblingsliveband! Brav so. Wir bekommen ein einstündiges Menü mit einem bravurösen Start, einer absoluten Fehlentscheidung im Mittelteil (Ride with us hätte wirklich nicht sein müssen…) und einer kleinen Enttäuschung am Ende (…nach "Erection" hätten noch "Pamparius" und "Good Head" kommen müssen), aber sonst gut durchdachtem Set. Und als kleines Sahnehäubchen kriegen wir am Ende als Outro noch Top GUN um die Ohren gesäuselt. Ich pilgere den Weg zur Garderobe auf Knien und danke dem Herrn, dass es so eine Band gibt. In diesem Moment ist mir Rocco Klein total egal. Ihm ist das warscheinlich auch egal.
Und mich dünkt, Florian Köbisch war an diesem Abend aus irgendeinem läppischen Grund nicht dabei. Schäm dich. Pöser Pube.

15.03.04, Die Comeback Show (Coloneum, Köln)
Caroline Doll, ich hasse dich! Nicht dafür dass du deine Seele verkaufst und Playbackgitarre bei Mousse T. spielst (das würde ich auch) und auch nicht dafür, dass du noch nie im Playboy warst. Ich hasse dich für diese Freikarte für die Comeback Show!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
18.23h: 3 Against Gravity – Phillip ruft an, ob ich mir mit ihm nicht den Riesenspass gönnen will, zur Comebackshow zu fahren. Seine Olle spielt bei Jurymitglied Mousse T. Playbackgitarre und hat zwei Freikarten locker gemacht, die ihr Mitbewohner (unser Webmann Matt, der schlauerweise verzichtete) nicht nutzen wollte. Comebackshow? Schoma von gehört. Is bestimmt der Megatrash, also lustig. Da gehen wir mal hin und lachen alle aus.
19.00h: Phillip steht auf der Matte und auf geht's. Noch nich ma Zeit zum Bier kaufen. Wir kommen also stocknüchtern am Coloneum in Köln-Bickendorf an und werden von (zugegebenermassen einstelligen) Platzanweiserinnen getrennt hingesetzt, womit schon mal klar war, dass das hier kein Spass wird. Ich sitze zum Glück komplett außen in der 5. Reihe, direkt am Absperrgitter, habe also relativ gute Chancen, nicht im Bild zu sein. Wenn da bloss nicht der ekelhafte Wixer Thomas, seines Zeichens Animateur und Publikumsdiktator wäre. Mit Adleraugen ausgestattet droht er sofort jedem, der nicht so tut, als sei dies der glücklichste Tag seines Lebens, also noch vor Hochzeit und Lottogewinn, drakonische Maßnahmen an . Ich habe Angst, dazu verdonnert zu werden, jede Woche hier antanzen zu müssen und kann mich immer nur wieder hinsetzen, wenn die Mädels vor mir aufgestanden sind und ich dem stechenden Blick von Thomas entfleuchen kann. Phillip hats noch schlimmer erwischt: Erste Reihe, neben 'nem Vollspacken, der das alles tatsächlich total geil findet, Phillip andauernd zum mitmachen animiert und hoffentlich nach der Show einen schlimmen Autounfall hat. Die Muttis neben mir haben auch keinen Bock, machen aber brav die ganze Scheisse mit und beäugen mich kritisch als Spielverderber, wenn ich nicht die Hände hochreissen will und mitschunkele, was ich mir bei Chris Norman aber nicht nehmen lasse.
Zur Show: Abgehalfterte "Stars" und solche, die es mal gewesen sein wollen ( Emilia!) erleben hier das gleiche Rauswählszenario wie bei Deutschland sucht den Superarsch. Übriggeblieben sind heute die bereits oben erwähnten Chris N. und die schwedische Fistelschlagmichtottussi Emilia, Coolio, Benjamin Boyce (who the fuck…?) und unser aller 80er jahre Gott (hallo Arbeitsman) Limahl.
Aua.
CC Catch wäre ja meine Favoritin gewesen, aber die is krank und somit ausgeschieden. Heute is "Oldies und Classics-Special" und man kann gespannt warten, ob nicht z.B. Chris Norman was von den Sex Pistols bringt… Tut er aber nicht. "With a little help from my friends" bekommt den Zuschlag. Okay, der Mann is an "Needles and Pins" schuld, was immerhin die Ramones gecovert haben und hat als einziger 'ne Stromgitarre in der Hand. Wenn auch nur 'nen Strat. Ich erwische mich dabei, wie ich mit der Mutti neben mir Händchen halte und mitgröhle, schlage mich sofort selber und setz mich hin. Machsse einmal…wie Martin Bachner sagen würde. Emilia piepst "Que sera, sera…" und fällt absolut durch. Kein Wort mehr. Limahl bringt "Young Girl", ebenfalls durchgefallen.
Ach ja, 'ne Jury gibt's auch. Ein alter Sack, den ich nich kenne, 'ne MTV-Olle, die ich nich kenne, und Meister Mousse T. himself, der übrigens auftreten darf, weil CC Catch krank ist. Geschlossen haben sie weder Ahung, Charme, irgendas. Nochnichma 'ne Bohlen-Fresse. An die Wand, alle!
Dann Coolio. "Gangsta's Paradise" war ja schon damals scheisse (Autoscooter-Proll-HipHop), aber der Mann kann auch heute einfach gar nix. Man is aber auch gemein zu ihm. Alle wollen immer, dass er singt, was er natürlich nicht kann und deshalb schlechte Bewertungen kriegt. DAS MUSS ER ABER GAR NICH KÖNNEN! Der Kerl macht HipHop, und da is es wichtiger, den Chef der Nachbars-Posse zu kennen und gut mit Waffen und Drogen umgehen zu können, was natürlich heute als Kriterium nicht zählt. Dafür beweist er aber Musikgeschmack und wählt 'nen Song von Grandmaster Flash aus. Bühnendeko: Brennende Mülltonnen. Das fanden die Hosen schon 1985 scheisse. Während der Werbeunterbrechungen kommt wieder das Brechmittel Thomas zum Zug, und mir kommen Sadismusphantasien, gegen die die Taten mancher verbrecherischer Black Metal Elemente wie Schafehüten anmuten. Ich will hier raus! Gibt's hier keine Halbzeit? Und Caro: Ich hoffe, dein Freund macht heute mit dir Schluss!
Aber halt, es gab ja noch deinen Auftritt. Bass-und Gitarrenamp sowie Schlachzeuch auffe Bühne, Fender Rhodes-Orgel für Mousse und ein Mikro für die Playbacknegerin. Und nicht nur du, Caro, stehst an der Gitarre, nein: GANZ LILI ist die Band. Caro Gitarre, Dani Bass und am Schlagzeug (Kollege, Achtung:) Ylva! Ich brech ab. Aufgetakelt wie die letzten 80er Popwavepunktusen, was ja auch nicht schlecht aussieht, ziehen sie professionell ihren Seelentausch durch. Das einzige, was man vielleicht hätte beachten sollen, ist, dass Ylva gar kein Schlagzeug spielen kann und Dani bei so einem (zugegebenermassen geilen)groove- Basslauf gefälligst kein Plektrum zu benutzen hat und der Bass unters Kinn und ausnahmsweise nicht unter die Knie gehört. Sind wir hier bei LILI oder was? Ich glaube ich habe auf eueen Gesichtern einen Ausdruck des Mitleids gesehen, als ihr Phillip und mich erblicktet, aber wehe euch, ihr habt uns ausgelacht. You don't know what pain is!
Wie ich den Schleimtopf Benjamin Boyce ("Piano Man" von Billy Joel)und das Abschlussranking ertrage, ist mir schleierhaft. Mein Gehirn schüttet warscheinlich schon Körpereigene Drogen gegen die Schmerzen aus. Das ist gut, denn in diesem Moment wünsche ich mir, die scheiss Dilettanten der Al Kaida hätten sich Madrid gespart (die Stadt hat immerhin eine AC/DC – Strasse) und stattdessen hier mal kräftig aufgeräumt. Den Granatsplitter in der Wade hätte ich dankend in Kauf genommen. Manchmal muss ich glaub ich doch mal Fernsehn gucken. Dann hätte ich gewusst, was auf mich zu kommt! Wenn man immer nur mit seiner Band und Freunden zu tun hat, glaubt man irgendwann, die Welt ist vielleicht doch gut, auch wenn man täglich Bahn fährt. Aber DAS da…ich will plötzlich Diktator werden und stelle überrascht fest: Gaskammern sind doch ganz okay. Vielleicht ein bisschen zu human. Und wer is schuld? Arabella Kiesbauer, ihr verwixter Chef, der sich auch noch dumm und dusselig daran verdient, und: Das deutsche Volk!!! Vielleicht hab ich doch nicht so schlechte Chancen, das mit dem Diktatorendasein in die Tat umzusetzen…Dumm genug scheinen sie ja alle zu sein. Dass am Ende auch noch Coolio rausfliegt, schlägt dem Fass den Boden aus und ist Beweis genug für meine oben aufgestellten Thesen. Definitiv einer der schlimmsten Abende meines Lebens. Hoffentlich komm ich morgen irgendwie bei Monster Magnet und Gluecifer rein. Voll wie zwanzig Russen werde ich sowieso sein. Das hab ich mir verdient. Nacht.
PS: Ich bin nicht reingekommen.

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